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digital home

Duschen im Goldfischteich

Der Kühlschrank spricht und bestellt eigenmächtig im Supermarkt. Geduscht wird in der Projektion eines Goldfischteichs. Heizung, Herd oder Waschmaschine werden von unterwegs aus ein- und abgeschaltet. Die virtuelle Zukunft hat auf der Heim+Handwerk 2007 bereits begonnen. „digital home“ zeigt, wie wir morgen wohnen. 

John wird vom Schlafcomputer sanft geweckt. Die Beleuchtung taucht den Raum in sanftes Licht. Halblaut melden sich in allen Räumen die Bildschirme und Lautsprecher des Multimediacenters. Und jetzt ins Bad: Er duscht in der Projektion eines Goldfischteichs. Eine virtuelle Wasserwelt. Lichtreflexe brechen sich auf der Haut. Goldfische schwimmen davon, wenn er ins Wasser steigt. Anziehen und ab in die Küche.
 
John weiß: Nichts kann fürs Frühstück fehlen. Die Kontrolle über die Lebensmittel hat längst der Kühlschrank übernommen. Er spricht mit angenehmer Bariton-Stimme, warnt vor davon laufendem Käse oder zuviel Kalorien, ordert rechtzeitig frische Milch oder den nächsten Weinkarton im Supermarkt.

Mann oder Frau von morgen arbeiten im „digital home“  von zu Hause aus, da das IT-System voll vernetzt ist. Am Arbeitstisch brauchen sie vor der Tastatur keine Maus mehr. Zum Ändern von Bildern oder Texten auf der breiten Leinwand reicht eine Arm-Bewegung. Eine Infrarotkamera registriert den Schatten wie einen Mauszeiger. Kochen von unterwegs aus? Auch kein Problem. Der Herd weiß genau, was zu tun ist und wann die Gäste kommen. 

Sieht so die Zukunft aus? Eine Sonderschau auf der Heim+Handwerk 2007, gefördert vom bayerischen Wirtschaftsministerium, zeigt im neuen Messebereich Multimedia (Halle A 2) auf 120 qm Visionen des „digital home“: Innenarchitektur-Studenten der Hochschule Coburg und ihr Dozent Prof. Werner Kintzinger machen an inszenierten Raum-Beispielen deutlich, wie soziologische Veränderungen und innovative technische Entwicklungen unsere Wohn- und Arbeitswelt verändern. Dabei stehen die Bereiche Wohnen, Bad/Wellness, Küche /Speisen, Schlafen und Arbeiten im Mittelpunkt. „Wir haben dabei bewusst zugespitzt, um zu zeigen, wo der Trend hingeht“, sagt Projektleiterin Verena Frisch.

Visionen einer digitalen Zukunft

Wohnen und Arbeiten konzentrieren sich in der Vision „digital Home“ auf Raumbereiche, die dank moderner Technik viele Funktionen gleichzeitig übernehmen. Multimediageräte lassen sich kabellos per Fernbedienung aus jeder Position steuern. Mittels avancierter Licht- und Klimatechnik entstehen ganzheitliche, flexible und fernsteuerbare Konzepte, die unabhängig von Raum und Zeit bedienbar sind.

Konventionelle Wohnstrukturen lösen sich dadurch auf. An ihre Stelle treten integriert gesteuerte Funktionsträger. Lage und Ausstattung von Haus oder Wohnung prägen immer weniger das Lebensgefühl. Stattdessen setzen Software und die dazu gehörende Technik wesentliche Impulse.   
         
„Die Menschen verlassen sich heute immer mehr auf die digitale Technik. Vieles wird dadurch einfacher. Aber es macht sie auch abhängiger“, erklärt Verena Fritsch. Kommunikation? Läuft heute längst über PC, Internet-Chats oder Blogs. Neue Freundschaften? Findet man per Internet überall in der Welt, nicht mehr nur in der Kneipe nebenan. Tagebuch, Packlisten für den Urlaub, Kochrezepte? Nur Grufties schreiben noch per Hand, was der PC längst weiß.

Je kleiner, diskreter und selbstverständlicher die häusliche Technologie wird, desto mehr Zeit hat der Mensch für sich und um sein privates Umfeld zur Erholung zu nutzen - „High-Tech“ im positiven Sinn.  

Die Sonderausstellung „digital home“ ist interaktiv: Der vorgegebene Weg führt die Besucher der Heim+Handwerk direkt ins Zentrum der virtuellen Wohnwelt, wo sie an verschiedenen Installationen wie dem sprechenden Kühlschrank die Technik von morgen testen können und eintauchen in virtuelle Welten jenseits bekannter Wohn- und Einrichtungsmuster. Dort können sie auch Bad im projizierten Goldfischteich baden.

Übrigens: Was heißt da Zukunftsvision? Aussteller zeigen im neuen Messebereich Multimedia  rund um die Sonderschau „digital home“ was es heute schon an Innovationen aus Technologie, Dienstleistung und Wohndesign zu kaufen gibt. John lässt grüßen.  

vom 1. bis 9. Dezember 2007